Wer die deutsche Grammatik verstehen möchte, kommt an den Wortarten nicht vorbei. Sie bilden das Fundament jeder Satzanalyse und entscheiden darüber, wie ein Wort im Satz funktioniert. Dieser Ratgeber gibt einen systematischen Überblick über alle Wortarten des Deutschen, erklärt ihre wichtigsten Merkmale und zeigt, wie sich einzelne Wortklassen zuverlässig bestimmen lassen.
Was Wortarten sind und wie sie eingeteilt werden
Wortarten, in der Sprachwissenschaft auch Wortklassen genannt, sind Kategorien, in die sich Wörter aufgrund gemeinsamer Eigenschaften einordnen lassen. Die Zuordnung erfolgt nach drei Kriterien: der Form, also der Frage, ob und wie ein Wort seine Gestalt verändern kann, der Funktion im Satz sowie der Bedeutung. Das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache weist darauf hin, dass insbesondere semantische Kriterien allein nicht ausreichen, um alle Wortarten trennscharf zu unterscheiden, weshalb formale und syntaktische Merkmale im Vordergrund stehen.
Die grundlegendste Unterscheidung betrifft die Veränderbarkeit: Flektierbare Wortklassen können ihre Form ändern, etwa durch Deklination bei Substantiven oder Konjugation bei Verben. Nicht flektierbare bleiben dagegen unverändert, unabhängig von ihrer Position im Satz. Diese Zweiteilung erleichtert die erste Orientierung erheblich, da sich bereits durch einen einfachen Test feststellen lässt, in welche Gruppe ein Wort fällt.
Wie viele Wortarten es im Deutschen gibt, hängt vom jeweiligen Grammatikmodell ab. In der Schulgrammatik ist meist von zehn Wortarten die Rede, wissenschaftliche Modelle unterscheiden je nach Ansatz auch mehr oder weniger Klassen. Die folgende Übersicht orientiert sich an der gängigen Einteilung, wie sie im Deutschunterricht und in den meisten Nachschlagewerken verwendet wird.
| Wortart | Funktion | Beispiel |
|---|---|---|
| Substantiv | Benennt Dinge und Begriffe | Haus, Freude |
| Verb | Bezeichnet Tätigkeit, Vorgang | laufen, denken |
| Adjektiv | Beschreibt Eigenschaften | schnell, blau |
| Artikel | Begleitet das Substantiv | der, eine |
| Pronomen | Vertritt das Substantiv | er, mein, welcher |
| Numerale | Gibt Mengen und Zahlen an | drei, viele |
| Adverb | Bestimmt Umstände näher | gestern, dort |
| Präposition | Stellt Verhältnisse her | auf, wegen |
| Konjunktion | Verbindet Sätze und Teile | und, weil |
| Interjektion | Drückt Empfindungen aus | ach, oh |
Die flektierbaren Wortklassen im Detail
Zu den veränderbaren Wortklassen zählen fünf zentrale Gruppen. Das Substantiv, auch Nomen oder Hauptwort genannt, bezeichnet Lebewesen, Dinge und Begriffe, wird im Deutschen großgeschrieben und nach Kasus, Numerus und Genus dekliniert. Das Verb bildet als Tätigkeitswort das Zentrum des Satzes und wird nach Person, Numerus, Tempus, Modus und Genus Verbi konjugiert.
Das Adjektiv beschreibt Eigenschaften und lässt sich sowohl deklinieren als auch steigern, etwa in der Reihe „schnell, schneller, am schnellsten“. Artikel begleiten Substantive und treten als bestimmter oder unbestimmter Artikel auf. Pronomen schließlich vertreten oder begleiten Substantive und gliedern sich in zahlreiche Untergruppen, darunter Personal-, Possessiv-, Relativ- und Demonstrativpronomen.
Nicht flektierbare Wortklassen und ihre Aufgaben
Die unveränderlichen Wortklassen übernehmen im Satz vor allem verknüpfende und ergänzende Aufgaben. Adverbien bestimmen Umstände näher und beantworten Fragen nach Ort, Zeit, Grund oder Art und Weise. Präpositionen wie „auf“, „unter“ oder „wegen“ stellen Verhältnisse zwischen Satzgliedern her und bestimmen dabei den Kasus des nachfolgenden Wortes.
Konjunktionen verbinden Wörter, Satzteile oder ganze Sätze miteinander und unterscheiden sich in nebenordnende Formen wie „und“ sowie unterordnende wie „weil“, die einen Nebensatz einleiten. Interjektionen schließlich stehen syntaktisch weitgehend isoliert und drücken spontane Empfindungen aus, etwa „ach“ oder „oh“. Numeralia nehmen eine Zwischenstellung ein, da manche Zahlwörter durchaus flektierbar sind und je nach Grammatikmodell teilweise den Adjektiven zugeordnet werden.
Wortarten sicher bestimmen: Praktische Tipps
Für die zuverlässige Bestimmung hat sich ein gestuftes Vorgehen bewährt. Prüfen Sie zunächst, ob das Wort veränderbar ist, und grenzen Sie so die infrage kommenden Klassen ein. Fragen Sie anschließend nach der Funktion im Satz: Bildet das Wort das Prädikat, handelt es sich um ein Verb; begleitet es ein Substantiv, kommen Artikel, Adjektiv oder Pronomen infrage.
Hilfreich sind zudem klassische Ersatzproben: Lässt sich ein Wort durch einen Artikel ergänzen und großschreiben, spricht dies für ein Substantiv. Lässt es sich steigern, handelt es sich meist um ein Adjektiv. Wer regelmäßig übt, entwickelt mit der Zeit ein sicheres Gefühl für die Zuordnung. Für vertiefende Fragen bieten wissenschaftliche Portale wie das grammatische Informationssystem grammis des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache detaillierte Erläuterungen und Übungsmaterial.
Häufig gestellte Fragen zu den deutschen Wortartenr Wortartbestimmung
Wie viele Wortarten gibt es im Deutschen?
In der Schulgrammatik wird meist von zehn Wortarten ausgegangen. Wissenschaftliche Grammatikmodelle unterscheiden je nach Ansatz auch mehr oder weniger Klassen, da die Abgrenzung nicht immer eindeutig ist.
Was ist der Unterschied zwischen Adjektiv und Adverb?
Ein Adjektiv beschreibt eine Eigenschaft und bezieht sich meist auf ein Substantiv, ein Adverb bestimmt dagegen einen Umstand näher und bezieht sich auf ein Verb, Adjektiv oder einen ganzen Satz. Entscheidend ist die Funktion im konkreten Satz.
Welche Wortarten sind flektierbar?
Flektierbar sind Substantive, Verben, Adjektive, Artikel und Pronomen sowie teilweise Numeralia. Nicht flektierbar sind Adverbien, Präpositionen, Konjunktionen und Interjektionen.
Kann ein Wort mehreren Wortarten angehören?
Ja, das ist häufig der Fall. Ein Wort wird immer im konkreten Satzzusammenhang bestimmt, da dieselbe Wortform je nach Funktion unterschiedlichen Wortklassen zugeordnet werden kann.
Quellenverzeichnis
Weiterführende, wissenschaftlich fundierte Informationen zu den Wortarten des Deutschen bieten folgende Quellen:
- grammis (Leibniz-Institut für Deutsche Sprache): Wortarten-Klassifikation
- Duden: Grammatik und Wortarten
- Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS)