Satzglieder sind die funktionalen Bausteine eines Satzes. Zu den wichtigsten gehören Subjekt, Prädikat, Objekt und adverbiale Bestimmung. Wer Satzglieder sicher erkennen kann, versteht nicht nur den Aufbau der deutschen Sprache besser, sondern kann auch Satzanalysen leichter durchführen, abwechslungsreicher formulieren und grammatische Zusammenhänge nachvollziehen. Dabei kann ein Satzglied aus einem einzelnen Wort, einer Wortgruppe oder sogar einem ganzen Nebensatz bestehen.
Für die Bestimmung reicht es deshalb nicht aus, einfach einzelne Wörter zu markieren. Entscheidend ist die Funktion, die eine Wortgruppe innerhalb des Satzes erfüllt. Besonders hilfreich sind die Umstellprobe, passende Fragewörter und die Ersatzprobe. Die folgende Tabelle zeigt zunächst die wichtigsten Satzglieder der deutschen Sprache mit typischen Fragen und Beispielen.
Was sind Satzglieder in der deutschen Sprache?
Als Satzglieder bezeichnet man Bestandteile eines Satzes, die eine bestimmte syntaktische Funktion übernehmen. Typische Funktionen sind beispielsweise Subjekt, Objekt und adverbiale Bestimmung. In der schulischen Grammatik wird außerdem das Prädikat als zentraler Bestandteil der Satzanalyse behandelt. Das Institut für Deutsche Sprache beschreibt Satzglieder als Funktionen, die Wörter, Wortgruppen oder auch Nebensätze mit Bezug auf das Prädikat übernehmen können.
Tabelle: Die wichtigsten Satzglieder mit Fragen und Beispielen
Hinweis: Die Tabelle orientiert sich an der üblichen schulischen Satzanalyse. In der Sprachwissenschaft können einzelne Kategorien noch genauer unterschieden werden, beispielsweise zwischen vom Verb geforderten adverbialen Ergänzungen und frei hinzufügbaren adverbialen Angaben.
Wie kann man Satzglieder bestimmen?
Um Satzglieder zuverlässig zu bestimmen, sollte zunächst das Prädikat gesucht werden. Das Verb bildet den Ausgangspunkt der Satzstruktur, denn viele weitere Bestandteile hängen davon ab, welche Ergänzungen ein Verb verlangt. Bei „geben“ werden beispielsweise typischerweise jemand, jemandem und etwas benötigt: „Die Mutter gibt dem Kind einen Apfel.“ Daraus ergeben sich Subjekt, Dativobjekt und Akkusativobjekt.
Die Umstellprobe zeigt zusammengehörende Wörter
Eine der wichtigsten Methoden ist die Umstellprobe, die auch als Verschiebeprobe bezeichnet wird. Dabei werden Wortgruppen gemeinsam an eine andere Position im Satz verschoben. Was sich als Einheit verschieben lässt und dabei seine Funktion behält, kann ein Satzglied bilden.
Aus „Der kleine Hund schläft heute auf dem Sofa“ kann beispielsweise „Heute schläft der kleine Hund auf dem Sofa“ oder „Auf dem Sofa schläft der kleine Hund heute“ werden. Die Wortgruppen „der kleine Hund“, „heute“ und „auf dem Sofa“ können jeweils gemeinsam verschoben werden. Das Adjektiv „kleine“ lässt sich dagegen nicht sinnvoll allein verschieben, weil es als Attribut zum Subjekt „der kleine Hund“ gehört. Ergänzend hilft die Ersatzprobe. Dabei wird eine Wortgruppe durch ein einzelnes Pronomen oder Adverb ersetzt. „Der kleine Hund“ lässt sich beispielsweise durch „er“ ersetzen und „auf dem Sofa“ in diesem Satz durch „dort“. Dadurch wird sichtbar, welche Wörter zusammen eine funktionale Einheit bilden.
Subjekt und Prädikat bilden den Kern des Satzes
Bei der Bestimmung der Satzglieder sollte das Prädikat möglichst zuerst gefunden werden. Es enthält immer eine finite, also nach Person und Numerus bestimmte Verbform. Ein Prädikat kann aus nur einem Verb bestehen, aber auch mehrteilig sein. Im Satz „Lena hat das Buch gelesen“ gehören sowohl „hat“ als auch „gelesen“ zum Prädikat.
Das Subjekt steht grundsätzlich im Nominativ
Das Subjekt bezeichnet die Person oder Sache, über die etwas ausgesagt wird, und steht grundsätzlich im Nominativ. Es lässt sich meist mit „Wer oder was?“ erfragen. Im Satz „Der alte Baum verliert seine Blätter“ lautet die Frage „Wer oder was verliert seine Blätter?“ – die Antwort „der alte Baum“ ist das Subjekt.
Zwischen Subjekt und Prädikat besteht eine wichtige grammatische Beziehung. Die finite Verbform richtet sich in Person und Numerus nach dem Subjekt. Deshalb heißt es „Das Kind spielt“, aber „Die Kinder spielen“. Das Subjekt muss dabei nicht zwangsläufig eine handelnde Person sein: Auch in „Das Fenster ist geöffnet“ bildet „das Fenster“ das Subjekt.
Besondere Aufmerksamkeit verdient das mehrteilige Prädikat. Bei trennbaren Verben können die Bestandteile im Hauptsatz weit auseinanderstehen: „Paul räumt sein Zimmer auf.“ Auch Zeitformen und Modalverben erzeugen mehrteilige Prädikate, beispielsweise „Sie hat lange gewartet“ oder „Er möchte morgen kommen“.
Objekte als Ergänzungen des Prädikats erkennen
Objekte hängen unmittelbar mit dem verwendeten Verb zusammen. Manche Verben verlangen ein Akkusativobjekt, andere ein Dativobjekt oder eine Ergänzung mit einer bestimmten Präposition. Deshalb ist es hilfreich, sich beim Bestimmen der Satzglieder zu fragen, welchen Satzbauplan das jeweilige Verb eröffnet.
Akkusativ-, Dativ-, Genitiv- und Präpositionalobjekt unterscheiden
Das Akkusativobjekt wird mit „Wen oder was?“ erfragt: „Lena kauft einen Pullover.“ – Was kauft Lena? „Einen Pullover.“ Das Dativobjekt antwortet dagegen auf „Wem?“: „Lena schenkt ihrem Bruder ein Buch.“ – Wem schenkt Lena ein Buch? „Ihrem Bruder.“
Das Genitivobjekt kommt in der heutigen deutschen Sprache wesentlich seltener vor. Es lässt sich mit „Wessen?“ erfragen. Ein Beispiel lautet „Wir gedenken der Opfer.“ Die Wortgruppe „der Opfer“ steht im Genitiv und wird vom Verb „gedenken“ verlangt.
Etwas schwieriger ist das Präpositionalobjekt. Bei ihm verlangt das Verb eine bestimmte Präposition. Im Satz „Tom wartet auf seinen Freund“ gehört „auf seinen Freund“ zum Verb „warten auf“. Man fragt entsprechend: „Auf wen wartet Tom?“ Ähnliche Verbindungen sind „an etwas denken“, „über etwas sprechen“ oder „mit jemandem rechnen“.
Adverbiale Bestimmungen erklären die Umstände
Eine adverbiale Bestimmung beschreibt die näheren Umstände eines Geschehens. Sie kann beispielsweise angeben, wann, wo, warum oder auf welche Weise etwas geschieht. In vielen Fällen können solche Angaben weggelassen werden, ohne dass der verbleibende Satz grammatisch unvollständig wird: Aus „Mara arbeitet heute im Büro“ kann „Mara arbeitet“ werden.
Vier wichtige Arten der adverbialen Bestimmung
- Temporal – Zeit: Wann? Seit wann? Wie lange? Beispiel: „Wir treffen uns morgen.“
- Lokal – Ort: Wo? Wohin? Woher? Beispiel: „Die Kinder spielen im Garten.“
- Modal – Art und Weise: Wie? Auf welche Weise? Beispiel: „Er antwortet ruhig.“
- Kausal – Grund: Warum? Weshalb? Beispiel: „Wegen des Sturms bleibt die Schule geschlossen.“
In ausführlicheren Grammatiken werden weitere Bedeutungsgruppen unterschieden, beispielsweise finale Angaben für einen Zweck, konditionale Angaben für eine Bedingung oder konzessive Angaben für einen Gegengrund. Für die grundlegende Satzanalyse in der Schule stehen jedoch häufig die vier Gruppen temporal, lokal, modal und kausal im Mittelpunkt.
Eine häufige Schwierigkeit besteht darin, eine adverbiale Bestimmung von einem Präpositionalobjekt zu unterscheiden. Beide können mit einer Präposition beginnen. Entscheidend ist, ob die Präposition vom Verb fest verlangt wird. „Sie wartet auf den Zug“ enthält ein Präpositionalobjekt, weil das Verb „warten“ in dieser Bedeutung mit „auf“ verbunden ist. In „Sie wartet am Bahnhof“ bezeichnet „am Bahnhof“ dagegen den Ort und funktioniert als lokale Angabe.
Satzglieder an einem vollständigen Beispielsatz bestimmen
Am einfachsten lässt sich die Satzanalyse an einem vollständigen Beispiel nachvollziehen. Der Satz „Die freundliche Lehrerin erklärt den Kindern heute geduldig die neue Aufgabe“ enthält mehrere unterschiedliche Satzglieder und zeigt zugleich, dass ein Satzglied aus mehreren Wörtern bestehen kann.
Tabelle: Beispielsatz Schritt für Schritt zerlegen
Hinweis: „freundliche“ und „neue“ sind hier keine eigenständigen Satzglieder. Sie sind Attribute und gehören zu den Wortgruppen „die freundliche Lehrerin“ beziehungsweise „die neue Aufgabe“.
Gerade die Attribute führen bei der Bestimmung häufig zu Fehlern. Ein Attribut beschreibt ein Nomen genauer, bildet aber normalerweise kein eigenständiges Satzglied. Bei der Umstellprobe bleibt es deshalb mit seinem Bezugswort verbunden: „Die freundliche Lehrerin erklärt heute die neue Aufgabe“ kann zu „Heute erklärt die freundliche Lehrerin die neue Aufgabe“ umgestellt werden. „Freundliche“ allein lässt sich dagegen nicht als selbstständiges Satzglied verschieben.
Wer Satzglieder bestimmen möchte, kann deshalb nach einem festen Schema vorgehen: Zuerst das Prädikat suchen, anschließend zusammengehörende Wortgruppen mit der Umstellprobe erkennen, danach Subjekt und Objekte bestimmen und zuletzt adverbiale Angaben untersuchen. Dieses Vorgehen ist meist zuverlässiger, als ausschließlich Fragewörter auswendig zu lernen.
Häufige Fragen zu Satzgliedern in der deutschen Sprache
Die folgenden Antworten fassen die wichtigsten Grundlagen zu Satzgliedern, Subjekt, Prädikat, Objekt und adverbialer Bestimmung zusammen.
Welche Satzglieder gibt es in der deutschen Sprache?
Zu den wichtigsten Satzgliedern beziehungsweise Satzfunktionen gehören Subjekt, verschiedene Objekte und adverbiale Bestimmungen. Bei der schulischen Satzanalyse wird außerdem das Prädikat als zentraler Bestandteil des Satzes bestimmt. Zu den Objekten gehören insbesondere Akkusativ-, Dativ-, Genitiv- und Präpositionalobjekt.
Wie kann man Satzglieder erkennen?
Satzglieder lassen sich unter anderem mit der Umstellprobe und der Ersatzprobe erkennen. Anschließend helfen Fragen wie „Wer oder was?“, „Wem?“, „Wen oder was?“, „Wann?“, „Wo?“ oder „Warum?“, die jeweilige Funktion genauer zu bestimmen.
Was ist eine adverbiale Bestimmung?
Eine adverbiale Bestimmung beschreibt die Umstände eines Geschehens näher. Sie kann beispielsweise Zeit, Ort, Art und Weise oder Grund angeben. Typische Fragen lauten „Wann?“, „Wo?“, „Wie?“ und „Warum?“.
Ist ein Attribut ein eigenes Satzglied?
Ein Attribut ist normalerweise kein eigenständiges Satzglied, sondern Bestandteil eines Satzgliedes. Im Ausdruck „der große Hund“ gehört das Attribut „große“ zum gesamten Subjekt „der große Hund“.
Quellen
Für die grammatische Einordnung der Satzglieder wurden sprachwissenschaftliche und lexikografische Quellen zur deutschen Grammatik herangezogen.